Von eDarling Redaktion
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Interview mit Namens-Spezialist Pascal Rüeger: "Wir haben in der Schweiz eine Angelyyn Jolie"

Pascal Rüeger im Interview
Kaum etwas prägt uns wie unser Name. Woher Namens-Trends kommen und warum manche Namen sympathischer sind als andere, erklärt Pascal Rüeger im Interview.

Was ist der ungewöhnlichste Name den Sie bisher gehört haben?

In der Schweiz haben wir eher gesittete Namen. Meldungen, wie wir sie aus dem Ausland kennen, häufen sich hierzulande nicht. Viele Spitäler haben aber eine öffentliche Liste im Internet mit Bild und Namen der Neugeborenen.

Wer sie aufmerksam liest, der findet auch kuriose Namen wie Jesus Christ oder Heaven. Ganz nach amerikanischem Vorbild gibt es aber auch hier viele Eltern, die ihre Kinder nach Städten benennen wollen, oder nach Stars und Vorbildern.

Wir haben also in der Schweiz auch eine Angelyyn Jolie oder nach dem grossen Kochvorbild benannt, einen Jamie Oliver. Der Trend hin zu englischen Namen führt auch dazu, dass weniger Heidis und Peters in der Schweiz geboren werden wie früher.

 

Woher kommt unsere Faszination für Namen?

Man will für sein Kind nur das Beste, auch den besten Namen. Deshalb stöbern insbesondere schwangere Frauen auf Vornamensportalen. Schliesslich trägt das Kind diesen Namen ein Leben lang und da soll es schon passen.

Sobald das Baby dann geboren wird, sind es häufig Grosseltern, Götti, Tante, Onkel und dergleichen, welche die Namensbedeutung, die Herkunft sowie Namenstage erforschen.

Das Bundesamt für Statistik treibt diese Faszination weiter an: Wir können alle Namen, welche mindestens 3 x in der Schweiz vorkommen über die letzten 113 Jahre verfolgen. Eine riesige Datenbank, welche als Zeitvertreib recht amüsiert.

Dazu werden jährlich, in der zweiten Augustwoche, die offiziellen Vornamen der gesamten Schweiz öffentlich publiziert, aufgeteilt nach Kantonen. Und wegen den newsarmen Sommermonaten werden sie in den Medienvorwärts und rückwärts diskutiert.

 

Inwiefern würden Sie sagen haben Namen Einfluss auf Menschen?

Viele Statistiken zeigen, dass am Kevinismus respektive Chantalismus wirklich etwas dran ist. Auch werden „Kevins“ teilweise heute noch in Betrieben belächelt.  Was war aber zuerst, das Huhn oder das Ei?

 

Warum sind manche Namen beliebter als andere? Wie entwickeln sich Namenstrends?

Viele Trends kommen von den USA zu uns. Dort verwendete „exotischere“ Vornamen schaffen es in die Vornamens-Hitlisten und werden darin von zukünftigen Eltern entdeckt. Je höher die Namen in den Hitlisten klettern, desto häufiger werden sie an Kinder vergeben. Bis gefühlt jeder Zweite im Bekanntenkreis einen ähnlichen Namen hat.

Dann flacht der Trend  ab und es kommen neue und unverbrauchte Namen zum Vorschein. Es ist wie mit der Mode, alle 20 Jahre wiederholen sich die Trends. Teils in abgeänderter Form und teilweise nach gleichem Muster.

 

Glauben Sie,  Eltern knüpfen Erwartungen an ihre Kinder in Form von Namen?

Ja durchaus – das eigene Kind ist immer etwas Besonderes, das zeigt sich auch in der Namenswahl. Deshalb werden exotische Vornamen gerne vergeben.

 

Was sind die häufigsten Gründe dafür mit dem eigenen Namen unzufrieden zu sein?

Wer in der Schule aufgrund des Namens gehänselt wird, hat es nicht leicht. Gerade Kinder finden hunderte Möglichkeiten Namen zu „verhunzen“. In so einem Moment wünscht sich sicherlich jedes betroffene Kind einen anderen Namen.

Aber diese Zeit geht meist vorüber. Es sei denn, dass Eltern wirklich einen Namen gewählt haben mit dem sie ihrem Kind ein Leben lang keinen Gefallen machen. Zum Glück sind das seltene Fälle. Es gilt nämlich der Grundsatz, dass das Interesse des Kindes nicht offensichtlich verletzt werden darf. Insofern werden problematische Namen beim Zivilstandesamt abgelehnt.

 

Was entscheidet die Namenswahl der Eltern?

Eltern sind oft voreingenommen. Wenn wir einen Namen hören, erinnern wir uns vielmals an Bekannte oder Promis mit diesem Namen. Je nachdem, ob uns diese Menschen positiv oder negativ im Gedächtnis geblieben sind, beurteilen wir auch den Namen Eine interne Umfrage von uns hat ergeben, dass die Frau hier oftmals das Zünglein an der Waage spielt. In der Schwangerschaft beschäftigt sie sich einfach mehr mit der ganzen Thematik.

Inwiefern geben Namen Aufschluss über die soziale Herkunft von Menschen? Von nationaler Herkunft einmal abgesehen.
Dazu gibt es diverse Studien – wir haben dazu aber keine Daten erhoben und können deshalb keine professionelle Meinung dazu abgeben.

 

Wir danken Ihnen sehr für Ihre Zeit und das aufschlussreiche Interview!

 

Pascal Rüeger betreibt das Informationsportal Vornamen.ch.Darauf gibt er Auskunft über Babynamen, Namensbdeutungen und Namenstage.

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